Germany, October 2016
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Tschüß Berlin

2016-10-09 by röbi

Erwartungsvoll rollten wir von Südosten heran, auf dem Spree-Radweg. Die Hauptstadt Deutschlands empfing uns im Görlitzer Park, Kreuzberg, mit Unrat auf den ausgedorrten Rasenflächen und mit Pissegeruch, der den ungepflegten Büschen neben den vergammelten Parkbänken entströmte - willkommen in der Grossstadt! "Na ja, das kann ja nur noch besser werden", dachte ich optimistisch, während wir den Spuren der Mauer Richtung Süden folgten. Doch am darauffolgenden Tag, beim Besuch des Zentrums, wirkte das Brandenburger Tor weniger imposant, als ich es mir vorgestellt hatte, der Potsdamer Platz erschien mir leblos und die berühmte Berliner Currywurst mussten wir im Vergleich zu den immer leckeren Thüringer Bratwürsten unter kulinarischer Kuriosität abbuchen. (Zum Glück gab es ein Berliner Kindl zum Runterspülen). Danach sog es uns in die sehr gut gemachte Ausstellung 'Topologie des Terrors', was begreiflicherweise die Stimmung unter dem trüben Septemberhimmel auch nicht heben konnte. Wat denn nu?

Wir probierten es am nächsten Tag mit dem Alexanderplatz - Verkehr kreuz und quer. Mit dem Spreeufer - überall Baustellen, noch mehr klotzige Gebäude sollen entstehen. Hinüber zum Bundestag - kalter Stahl und Glas, der Hauptbahnhof ein überdachter Grubenschacht mitten im Nirgendwo, nicht einmal die Schweizer Botschaft versprüht etwas Charme. Als letzte Hoffnung der Ku'damm - eine Aneinanderreihung der in aller Welt bekannten Boutiquen, dazwischen gesichtslose Gaststätten und weitere Baustellen.

Auf dem Mauerradweg fuhren wir weiter um die Stadt, die uns ihre Schokoladenseite nicht zeigen wollte. Macht nichts. Berlin, wir kommen wieder und spüren deine schönen Ecken auf - und falls wir sie erneut nicht finden, ist es ja nicht weit bis Potsdam ;-). (Ummanz, Deutschland)

Bier, Barock und Blaue Zipfel

2016-08-12 by röbi

"A U" ist nicht etwa die Abkürzung einer neuen Partei Deutschlands, sondern die kürzeste Version, wie man sich in Franken ein Getränk bestellen kann. Serviert wird, falls die Bestellung mit korrektem fränkischem Akzent ausgesprochen wird, ein ungespundetes Bier, ein Bier mit wenig Kohlensäure, da während der Gärung kein Zapfen im Spundloch war. Diese biertechnische Finesse lernten wir gegen Ende unserer Fahrt entlang des Mains in Bamberg kennen. Ganz nebenbei wurde uns zudem bewusst, dass Franken ein Teil von Bayern ist, und dass es somit nebst der weltbekannten Weisswurst noch Unmengen anderer beliebter Würste in Bayern und speziell im Frankenland gibt, denn praktisch jeder Ort hat sein eigenes (geheimes) Bratwurst-Rezept. Eine Spezialität sind "Blaue Zipfel", Bratwürste, die in einem Sud aus Zwiebeln, Essig und Weißwein zubereitet werden.

Bei diesem wahrhaft üppigen kulinarischen Angebot während unserer gesamten Fahrt durch Bayern fiel es uns oft schwer, auch noch auf die architektonischen Leckerbissen zu achten. Die vielen barocken Kirchen links und rechts des Radweges hätten oft bedeutet, einen Abstecher machen zu müssen, aber es gab auch Schmuckstücke, die uns direkt vor die Füsse fielen, wie das alte Rathaus von Bamberg.

Seitdem wir uns in Bischofsgrün (nordöstlich von Bayreuth) vom Main verabschiedet haben, folgen wir Hügel auf, Hügel ab, dem Lauf der Saale, die uns immer mehr von der barocken, bayerischen Üppigkeit weg und hinein in den Freistaat Thüringen führt. (Ziegenrück, Deutschland)

Schwabenschikanen

2016-07-16 by röbi

Es wird uns nicht leicht gemacht, das Radeln in Schwaben. Zum einen sind da die Abhänge der Schwäbischen Alb, welche wir entlang der jungen Donau zwischen Tuttlingen und Sigmaringen möglichst flach zu queren versuchen, die uns dennoch immer wieder mit scharfen Aufstiegen und ebenso steilen Abfahrten, oft auf rutschigem Kies, arg ins Schwitzen bringen.

Sind wir dann mal wieder schön ins Rollen gekommen, stellen sich uns zum anderen plötzlich Fahrverbote in den Weg. Der Radweg führt mitten durch Grillbuden, mobile Bierstuben, Bänke und Tische und damit wir die verlockenden Düfte der Bratwürste und gegrillten Schweinebäuche, das Zischen der geöffneten Bierflaschen und das Sprudeln der Zapfhahnen auch richtig mitbekommen, müssen wir absteigen und unser Fahrzeug durch das Festgelände stossen. Es ist schwierig da nicht schwach zu werden und sich am Ende der Bierstrasse wieder in den Sattel zu schwingen.

Doch wir haben alle Schwäbischen Schikanen gut gemeistert und sind nun in Bayern. (Neustadt a.d. Donau, Deutschland)

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